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Leseandacht

Lesegottesdienst zum Zweiten Advent (6.12.20)

 

1) Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

2) Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zum End er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.

3) O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.

 

Psalm:

Im Advent denken wir über die Zukunft nach. Jesus macht deutlich,
dass das Reich Gottes schon begonnen hat.
Etliche Menschen leben jetzt schon so wie es zu einer Welt
voller Friede und Gerechtigkeit passt.
Wir lesen es im Matthäusevangelium, im Kapitel 5 ab Vers 3:

 

3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen
8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

 

Der für den 2. Advent vorgeschlagene Predigttext befasst sich mit der Geduld.
Als Beispiel nennt Jakobus den Bauern.
Um uns da hineinzufinden, singen oder lesen wir das schöne Lied von Matthias Claudius:

 

1) Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gaben kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn.

2) Er sendet Tau und Regen und Sonn- und Mondenschein,
er wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behände in unser Feld und Brot:
es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.
Alle gute Gaben kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn.

 

Vorgeschlagener Predigttext: Jakobusbrief, Kapitel 5, Vers 7 bis 9:

7 So seid nun geduldig, Brüder und Schwestern, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen
8 Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.
9 Seufzt nicht widereinander, damit ihr nicht gerichtet werdet. Siehe, der Richter steht vor der Tür.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Ein paar Gedanken aus der Predigt:
Es kommt immer wieder vor, dass die Christen in ihrem Glauben müde werden. Dann wissen Sie nicht mehr wofür sie sich einsetzen sollen. Sie haben keinen Elan. Sie packen nichts an. Sie vertrösten sich vielleicht zu schnell, dass Gott doch irgendwie schon allen Menschen gnädig sein wird. „Ich kann die Welt nicht retten“ - so höre ich es.

In so eine oder eine ähnliche Situation hat ein Mensch an die Gemeinden einen Brief geschrieben. Und weil es ihm sehr ernst ist, schreibt er unter dem Namen von Jakobus. Der Autor des Briefes hat sich also auf den leiblichen Bruder Jesu bezogen. (Markus 6,3 berichtet ja, dass Jesus vier Brüder hatte: Jakobus, Joses, Judas, Simon. Auch hatte Jesus noch Schwestern, die aber nicht namentlich aufgeführt werden. Wir wissen von Jakobus, dass er eine Zeit lang die Gemeinde in Jerusalem geleitet hat.)

Der Jakobusbrief schreibt klare Anweisungen für ein christliches Leben:
                              „Seid nun geduldig, Schwestern und Brüder“
Und gleich am Anfang des Briefes:
                „Und ihr wisst, dass euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt.“ (1,3)

Ist das ein Zufall, dass uns jetzt gerade ein Bibeltext vorgeschlagen ist, der von der Geduld handelt? Der Jakobusbrief macht deutlich, dass die Geduld ein zentraler Punkt des christlichen Glaubens ist. Das griechische Wort kann man auch mit „Langmut“ oder „Gelassenheit“ übersetzten. Seid also gelassen und langmütig. Noch interessanter finde ich das griechische Hauptwort. Darin steckt „darunter bleiben“.
Das erinnert mich an unsere Situation. Wir müssen darunter bleiben, unter dieser Krankheit. Wir kriegen die Pandemie nicht einfach weg. Sondern die ganze Menschheit leidet unter diesem Virus. Jakobus hat Recht: Es ist sehr richtig, mit möglichst viel Geduld und Gelassenheit solche Situation zu ertragen.

Der Jakobusbrief erinnert an den Bauern. Der kann seinen Teil tun, seine Arbeit. Er kann gut den Acker pflügen und säen. Aber damit dann daraus etwas wird, muss er geduldig den Ertrag abwarten. Matthias Claudius hat das so treffend in seinem Lied „Wir pflügen und wir streuen ...“ ausgedrückt: „und (Gott) träuft wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf“, und „es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott.“

Ich habe in den letzten Wochen oft anderen Leuten gewünscht „Bleiben Sie geduldig!“ Irgendwie habe ich es mir auch selbst gesagt, denn ich bin zur Geduld nicht sonderlich begabt. Ich spüre wie mir das Zusammentreffen mit lieben Menschen fehlt, mit Freunden, in Gruppen, in der großen Sippe alles geht nicht. Ich vermisse Konzerte, Theater und Kino. Und die Reisen erst ... Sie könnten wahrscheinlich ganz ähnlich klagen. Da müssen wir aufpassen, dass wir nicht in der Klage versacken oder gar wütend werden.

Diese Haltung scheint der Jakobusbrief auch zu kennen. „Ein Mensch sei schnell zum Hören ... langsam zum Zorn... Nehmt das Wort mit Sanftmut auf.... Haltet eure Zunge im Zaum!“ (Jak 1,19ff). Natürlich ist es richtig, dass über politische Entscheidungen diskutiert wird. Und natürlich verstehen wir die enttäuschten Gastwirte, die sorgfältig vorgegangen sind und deren Lokal jetzt geschlossen ist. Und natürlich fällt es schwer, dass alle paar Wochen die einschränkenden Bestimmungen verändert werden. Da können sich manche richtig kräftig aufregen. Solcherlei wird in Zeitungen und Fernsehen natürlich gerne gezeigt. Aber, aber .... Dieses Virus mit seinen teilweise schrecklichen Auswirkungen ist nicht auf lange Zeit abzuschätzen, bei allem Fachwissen nicht. Und deshalb müssen wir jetzt alle so vorgehen wie wir es aus den Zeiten kennen, in denen wir selbst uns mit einer heftigen Krankheiten auseinandersetzten mussten: Schritt für Schritt und Tag für Tag weiterzudenken. Die langen Perspektiven und weitreichenden Plänen werden später wieder möglich werden. Aber jetzt lässt das diese Krankheiten noch nicht zu. Deshalb sollten wir von Politikern und Virologinnen auch nicht Unmögliches fordern. Bleiben wir geduldig - so gut es eben geht, auch wenn es uns manchmal schwer fällt.
Geduld ist den Leuten damals wahrscheinlich auch schon schwer gefallen, denn sonst hätte der Jakobusbrief nicht so deutlich zur Gelassenheit ermahnt.

Jakobus sagt noch zwei hilfreiche Punkte: „Ein reiner Gottesdienst ist es ... die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal zu besuchen ...“ (Kapitel 1, Vers 27) Das ist richtig. Aufpassen, dass alle irgendwie die jetzige Situation aushalten, aufeinander achtgeben, keinen alleine lassen. Dazu helfen uns Telefone oder Mails oder Chats, aber sehr gut auch das Gespräch an der Haustür. Danke an alle, die uns ihre Nähe spüren lassen. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“
Die Leute im Ruhrgebiet sagen kurz und präzise: Machen was so geht! Das ist richtig.

Zweite Punkt: „Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen.“ (5,15) Wir wollen weiter füreinander beten. Dann wird uns auch deutlich, dass Gott letztlich das Leben bestimmt. Das hilft mir auszuhalten, dass ich so sehr viel nicht helfen kann. Wir können Gott in seinem Wirken mithelfen. Das ist doch was. Wie heißt es in dem Lied „Befiehl du deine Wege“ von Paul Gerhardt in der 7. Strophe: „Bist du doch nicht Regente, der alles führen soll. Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.“

Die ersten Christen haben die Auferstehung Jesu Christi berichtet. Eine nicht zu begreifende Botschaft, die aber deutlich macht: Gott schenkt manchmal mehr Möglichkeiten als wir es für möglich halten. Die Hoffnung gehört auch zum Glauben. Mir sagte vor kurzem ein Arzt: „Ich habe zwei Freunde, die Virologen sind. Beide haben mir im Frühjahr gesagt, dass das mit dem Impfstoff mindestens zwei oder drei Jahre dauert, alles andere sei Illusion. - Und jetzt haben es Leute doch so schnell geschafft.“
Ich bin sehr dankbar, dass da wochenlang Frauen und Männer sehr intensiv gearbeitet haben auf einem - so denke ich - sehr schwierigem Gebiet. Dadurch können wir jetzt mehr Hoffnung haben, dass sich unsere Lebensweise bald wieder normalisiert. Es wird noch ein paar Monate dauern bis wir alle geimpft sind. Das werden wir geduldig aushalten, denn Geduld ist eine christliche Tugend.

Gott segne Sie!

 

Gebet:
Wir danken dir Gott für alle Menschen, die in dieser Pandemie hilfsbereit sind. Wir denken an die Pfleger und Ärztinnen in den Krankenhäusern und Altenheimen, die Tag für Tag für die Kranken da sind. Wir denken an die Wissenschaftler und Forscher, die Behandlungsmethoden und Impfstoffen neu entwickeln. Wir denken an gute Freunde und Nachbarn, die keinen alleine lassen.
Herr gib, dass vielen Menschen geholfen wird. Sei besonders bei den Menschen in den armen Ländern, die nicht so gute Möglichkeiten haben. Gib, dass dort ausreichend Behandlungsmöglichkeiten und Impfstoffe auch die Armen erreichen.
Barmherziger Gott. Wir danken dir, dass du jeden Menschen begleitest. Wir bitten dich, dass alle auch menschliche Nähe spüren. Gib uns Wege zueinander, wenn die Einsamkeit vielleicht jetzt größer wird. Gib uns Mut, damit wir um Hilfe bitten. Gib uns offene Augen und Ohren, damit wir erkennen, wie wir uns gegenseitig beistehen können. Gib uns Kraft, damit wir auch noch Ideen und Empfinden für andere Menschen übrig haben.
Allmächtiger Gott. Lass es Advent werden in unserem Gemüt. Zeige uns, dass die Kerzen auf eine viel größere, friedlichere und hellere Welt hinweisen. Wir danken dir für alles schöne Genießen und alle Fröhlichkeit, die wir auch in diesem Advent erfahren. Und schenk uns Geduld, damit wir das ertragen, was nicht in unserer Macht steht.

1)Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!
Sieh, dein König kommt zu dir, ja er kommt, der Friedefürst.
Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!

2)Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!
Gründe nun dein ewig Reich, Hosianna in der Höh!
Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!

3)Hosianna Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!
Ewig steht dein Friedensthron, du, des ewgen Vaters Kind
Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!

Lothar Lachner
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Nachrichten aus der Gemeinde:

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Nur, solange der Vorrat reicht!

Das Team vom Weltladen-Borbeck lädt an den Markttagen dienstags und freitags ein, den Verkaufsstand in der Bahnhofshalle Borbeck zu besuchen.
Wenn Sie Waren aus dem Weltladen-Borbeck haben möchten, aber nicht nach Borbeck kommen, nimmt unsere Presbyterin Frau Gnida gerne Ihre Bestellung entgegen,
Telefon: 0157 35519294.

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