Gemeindeleben mit Coronaschutzverordnung und Plan B

Seit Juni fahren wir allmählich unsere Gemeindearbeit wieder hoch und haben seitdem schon einige Erfahrungen gemacht, wie das denn so ist mit der Gemeinde in Corona-Zeiten.
Mein wichtigstes Fazit bisher: Unsere Gemeindeglieder sind alle unglaublich sorgfältig und vernünftig. Jedenfalls habe ich es in den ganzen Wochen noch nicht ein einziges Mal erlebt, dass sich jemand beschwert hat über unsere Hygienemaßnahmen oder die Geduld verloren hat, weil er oder sie vielleicht etwas warten musste beim Hinein- oder Hinausgehen aus dem Lutherhaus.
Allerdings sind unsere Besucherzahlen coronabedingt noch etwas gedämpft. Im Gottesdienst hat sich der Durchschnittsbesuch auf gut 30 Personen zuzüglich der Beteiligten eingependelt. Da es also keine Platzprobleme gab, konnten wir schon sehr bald auf eine vorherige Anmeldung zum Gottesdienst verzichten, das ist auf jeden Fall eine große Erleichterung.
Da sich inzwischen auch schon wieder mehr Personen zu den Gemeindeveranstaltungen versammeln dürfen, arbeiten wir im Gottesdienst jetzt mit festen Sitzplänen. So ist die Nachverfolgung von Infektionen besonders gut gewährleistet. Pfarrer Lachner leistet hier eine sehr gründliche Vorarbeit mit der Erstellung der Teilnehmerlisten. So haben inzwischen alle unsere Gottesdienstbesucher inzwischen eine Laufnummer bekommen, die dann auf dem Sitzplan eingetragen wird. Alle Listen werden übrigens nach Ablauf von vier Wochen wieder gelöscht, bzw. geschreddert. So bleibt auch der Datenschutz gewährleistet.
Leider durften wir im Lutherhaus bisher immer noch nicht singen, aber hier und da haben wir doch schon mal gemeinsam das eine oder andere Abschlusslied auf dem Parkplatz miteinander gesungen. Und auch der Kirchenkaffee unter freiem Himmel wird gut angenommen.
Auch einige Gemeindegruppen treffen sich inzwischen wieder, allerdings sind einige unserer Besucherinnen und Besucher lieber etwas vorsichtig und warten noch ein bisschen ab, wie es jetzt nach den Sommerferien aussieht.
Für alle unsere Arbeitsbereiche gibt es inzwischen sorgfältig ausgearbeitete Hygienepläne, so dass zumindest ein eingeschränkter Betrieb fast überall wieder möglich ist. Der Jugendbereich konnte ein kleines Ferienprogramm planen und auch die Bücherei ist jetzt wieder für die Ausleihe geöffnet. Wussten Sie eigentlich, dass es auch für die Bücher eine Quarantäne gibt? Alle ausgeliehenen Bücher werden, wenn sie zurückgebracht werden, für 48 Stunden in einem Karton aufbewahrt. Erst dann werden sie von unserem Büchereiteam wieder einsortiert und stehen dann erneut zur Ausleihe bereit.
Mit unserem Gemeindeleben bewegen wir uns zwischen der „Coronaschutzverordnung  NRW“ und den „Eckpunkten einer verantwortlichen Gestaltung von Gottesdiensten“, die die Evangelische Kirche in Deutschland herausgegeben hat. Auch aus dem Kirchenkreis erhalten wir regelmäßig per Videokonferenz ein „Corona-Update“ mit wichtigen Anweisungen für die Gemeindearbeit, die wir befolgen, um uns und unsere Gemeindeglieder vor einer Infektion zu schützen.
Manchmal müssen wir sehr zügig reagieren, denn einige Lockerungen kamen sehr schnell, wie zum Beispiel die Öffnung der KiTas für den eingeschränkten Regelbetrieb noch vor den Sommerferien. Aber auch diese Situation wurde durch den tatkräftigen Einsatz unserer KiTa-Leitung sehr gut organisiert und umgesetzt. Danke auch an alle Eltern, die die Einschränkungen geduldig mittragen.
Unsere Maxi-Kinder, die ab August in die Schule kommen, mussten auf manche der sonst üblichen schönen Aktionen zum Abschluss der KiTa-Zeit verzichten. Immerhin konnten wir die Kinder in einem schönen gemeinsamen Familiengottesdienst im Lutherhaus verabschieden. Bei solchen Veranstaltungen haben wir dann immer einen Plan B im Kopf, falls sich die Corona-Lage doch noch kurzfristig ändern sollte. Umso schöner, wenn dann am Ende alles doch so klappt wie geplant.
Manche Dinge sind natürlich in diesem Jahr ganz anders gelaufen als gewohnt, wobei „ganz anders“ nicht bedeutet, dass es schlecht war.
Die Viertklässler der Grundschulen haben wir in diesem Jahr mit liebevoll vorbereiteten Veranstaltungen auf den Schulhöfen verabschiedet. Auch der obligatorische Segen zum Abschied fehlte nicht, auch wenn wir keine Abschlussgottesdienste in unseren Kirchen feiern konnten. Da wir selbst den Kindern nicht so nahe sein konnten, haben wir die Eltern gebeten, beim Zuspruch des Segens ihren Kindern die Hand auf die Schulter zu legen.
Es ist überhaupt erstaunlich, wieviel Kreativität und Improvisationstalent auf einmal sichtbar wird.
Immer bunter und abwechslungsreicher werden auch die Gesichtsmasken. Eine Bekannte von mir regte neulich schon mal einen Wettbewerb an: „Germany’s next Masken-Model“. Bei den Gesichtsmasken haben die Kreativität und die Fantasie jedenfalls keine Grenzen. Bei manchen Leuten können wir jetzt sofort sehen, welcher Fußballverein gerade besonders angesagt ist, andere zeigen ihre Liebe zur Heimatstadt oder –region. Andere tragen ihre Lieblingstiere oder Comicfiguren spazieren. Es gibt auf jeden Fall immer wieder etwas zu gucken.
Also: Gemeindeleben geht auch in Corona-Zeiten, auch wenn wir alle sicher froh sind, wenn alles eines Tages wieder seinen normalen Gang gehen kann. Dies wird sicher aber noch eine ganze Weile dauern. Und so werden wir erst einmal so weitermachen wie in den letzten Wochen und Monaten: Mit Blick auf die Coronaschutzverordnung NRW und unseren kirchlichen Regeln und für alle Fälle immer mit einem Plan B im Kopf.
Dagmar Kunellis