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Leseandacht

Ostersonntag, 04. April 2021

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

https://www.youtube.com/watch?v=CzSLbNq515k

Lied: Christ ist erstanden von der Marter alle;
         des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.
         Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen;
         seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis.
         Halleluja, Halleluja, Halleluja.
         Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis. (eg 99)

Mit dem Ostergruß der Alten Kirche und dem Hymnus „Christ ist erstanden“ wünsche ich Ihnen/ Euch allen ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Verse aus Psalm 118 (Einheitsübersetzung)
Meine Stärke und mein Lied ist der Herr; er ist für mich zum Retter geworden.
Frohlocken und Jubel erschallt in den Zelten der Gerechten:
    „Die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!
     Die Rechte des Herrn ist erhoben, die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!“
     Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des Herrn zu verkündigen.
Der Herr hat mich hart gezüchtigt, doch er hat mich nicht dem Tod übergeben.
Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken.
     Das ist das Tor zum Herrn, nur Gerechte treten hier ein.
     Ich danke dir, dass du mich erhört hast; du bist für mich zum Retter geworden.
Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.
Das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder.
     Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat;
     wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Osterlachen

Vom 14. bis zum 19. Jahrhundert gab es in einigen Regionen Deutschlands den Brauch des Osterlachens. Nach der stillen Fastenzeit wurden die Menschen im Gottesdienst mit einem Witz zum Lachen gebracht, ein Lachen, das auch dem Tod, der nun besiegt war, gelten sollte. Der diesjährige Ostersonntag fällt mit dem letzten Tag des jüdischen Passafestes zusammen. Deshalb nun hier ein Witz aus dem Judentum:
Ein frommer jüdischer Mann hat einen Hühnerhof, aber viele seine Hühner sterben.
So geht er zum Rabbi und fragt ihn um Rat: „Rabbi, meine Hühner sterben, was soll ich machen?“ Der Rabbi: „Womit fütterst du?“ Der Mann: „Mit Brot.“ Der Rabbi: „Füttere mit Weizen.“ Zwei Wochen später kommt der Mann wieder: „Rabbi hast du noch einen Rat? Es sterben immer noch Hühner.“ Der Rabbi: „Füttere mit Mais.“
Wieder zwei Wochen später kommt der Mann erneut zum Rabbi: „Rabbi, mein Problem ist immer noch da, hast du vielleicht noch einen Rat?“ Der Rabbi: „Ratschläge habe ich noch, aber hast du noch Hühner?“

Evangelium des Ostersonntags: Markus 16, 1-8 - Die Frauen am leeren Grab
1 Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. 2 Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging. 3 Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? 4 Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß. 5 Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. 6 Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wohin man ihn gelegt hat. 7 Nun aber geht und sagt seinen Jüngern und dem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat. 8 Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemandem etwas davon; denn sie fürchteten sich.
Halleluja. Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja

https://www.youtube.com/watch?v=1ULTMRDFOLE

Lied: Wir wollen alle fröhlich sein (eg 100)

Predigttext: aus 2. Mose 14+15 – Israels Durchzug durchs Schilfmeer
8 Und der HERR verstockte das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, dass er den Israeliten nachjagte. Aber die Israeliten waren mit erhobener Hand ausgezogen. 9 Und die Ägypter jagten ihnen nach, alle Rosse und Wagen des Pharao und seine Reiter und das ganze Heer des Pharao, und holten sie ein, als sie am Meer bei Pi-Hahirot vor Baal-Zefon lagerten. 10 Und als der Pharao nahe herankam, hoben die Israeliten ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN 11 und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? 12 Haben wir's dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben. 13 Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen. 14 Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.
19 Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie. Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie 20 und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Und dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher. 21 Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte dasMeer trocken, und die Wasser teilten sich. 22 Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. 23 Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Reiter, mitten ins Meer.
28 Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Reiter, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. 29 Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. 30 So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand.   …..
15,20 Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. 21 Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.

Liebe Geschwister,
ein gewaltiger, epischer Text ist es, den uns die Gottesdienstordnung zum Osterfest vorgibt. Die Erzählung vom Durchzug durch das Schilfmeer spielt in der Osternacht eine große Rolle, wenn an die Heilsgeschichte Gottes und an die Befreiung der Israeliten aus Ägypten erinnert wird. Es ist eine unglaubliche Geschichte mit eindrücklichen Bildern. Gewaltige Wassermassen schlagen die Ägypter zurück, während Gottes Volk trockenen Fußes an das rettende Ufer gelangt.
Das Epos der Befreiung, überliefert im zweiten Buch Mose, dem Buch Exodus, fasziniert die Menschen bis heute. Es wurde zum Gründungsmythos des jüdischen Volkes, das sich dem Gott angeschlossen hatte, auf den sich später auch Jesus Christus beruft.
Durch seinen Tod und seine Auferstehung ist dann noch einmal ein ganz besonderer Exodus geschehen, in den Jesus die Menschen seiner Zeit mit hineingenommen hat, und in den er uns heute mit hineinnimmt.
Unser Ostersonntag 2021 ist der letzte Tag des diesjährigen Passafestes. Wir Christen feiern Ostern in Anlehnung an das letzte Passamahl Jesu. Daran erinnern wir uns, wenn wir am Gründonnerstag miteinander Abendmahl feiern.
Am Anfang des jüdischen Passafestes steht der Sederabend, bei dem das jüngste Kind der Familie diese Frage stellt: „Warum unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?“ Daraufhin antwortet der Vater mit der alten Erzählung der Errettung der Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten. Es ist eine Geschichte, die nach langer mündlicher Überlieferung aufgeschrieben wurde und die uns bis heute davon erzählt, wie eine Volksgruppe sich auf den Weg macht, verfolgt von ihren Unterdrückern. Die Freiheit ruft, der Neubeginn eines ganz anderen Lebens. Doch diese Verheißung ist immer wieder schwer gefährdet. Aber in dieser Gefährdung erlebt das Volk Israel seine Rettung durch sein Vertrauen auf Gott.
Geschichten und die Not von Völkern wiederholen sich. „When Israel was in Egypt’s Land: Let my People go.“ Den berühmten Spiritual sangen schwarze Sklaven einst auf den Baumwollfeldern Amerikas. Schwarz sein, anders ein, nicht nur in Amerika ist dies ein nicht überwundenes Stigma. Der Kampf für die Freiheit wird bis heute geführt, die Sehnsucht, der Unterdrückung zu entkommen, bleibt über alle Zeiten und unter vielen Menschen und Völkern lebendig.
Ich finde es großartig, zu Ostern diese alte jüdische Erzählung vor Augen zu haben. Eine Geschichte der Befreiung ist es, zu der auch die Ostergeschichte passt: Geschichte der Befreiung von der größten Not, die uns gefangen hält, dem Tod. Befreiung, die uns geschenkt wird durch Jesus Christus, einem Mann, der in der jüdischen Tradition gelebt hat und selbst sein Leben auf die wunderbare Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten gründete.
Menschen waren ihm nachgefolgt, und Jesus gab ihnen ein neues Lebensgefühl, einen neuen Lebensinhalt. Er pflanzte ihnen neues Vertrauen in die Herzen, schenkte ihnen die Hoffnung auf ein neues Reich Gottes, auf andere Verhältnisse als sie damals in der Besatzungszeit durch die Römer herrschten. Er half Menschen, die gefangen waren in ihren Lebensumständen, sich daraus zu befreien und neu anzufangen. Er schenkte Freiheit von Unterdrückung, Krankheit und Armut, und auch Freiheit für ein Leben in einer Gemeinschaft von freien Menschen.
Doch auch in seine Verheißungen hinein brachen die tödlichen „Wassermassen“, es kamen Kreuzigung und Tod. Wo war da der Gott Israels, der Gott der Befreiung?

Ostern beginnt mit Erschrecken, Furcht und Trauer, in den Osterberichten der Evangelisten hören wir von Tränen und Entsetzen. Und doch ging die Schar der Jüngerinnen und Jünger damals in diesem Drama nicht unter. Längst hatte die Botschaft des Gottesreiches, die Jesus ihnen gebracht hatte, in ihren Herzen zu tiefe Wurzeln geschlagen, als dass sie hätte sterben und für immer im Grab bleiben können. Das Leben, das Jesus verkündigt hatte, brach sich Bahn, es kam die Befreiung des Ostermorgens.
Das Leben aus dem Geist Jesu ist stärker als der Tod. Und dieses Leben war zu stark gegenüber allem, was sich den ersten Christen nach Ostern an Widerständen, an „flutenden Wassermassen“ in den Weg der Auferstehung stellte. Die Befreiung aus der Sklaverei des Todes war unumkehrbar, so wie viele Jahrhunderte vorher die Befreiung aus Ägypten.
Befreiung und Änderung von Lebensumständen ist oft verbunden mit Schmerzen, Einbußen Abschieden, Neuanfängen und Enttäuschungen. Und doch sorgt die Befreiung aus alten Verstrickungen dafür, dass wir wieder frei atmen können, dass wir neues Vertrauen in das Leben fassen können.
Gott ist ein Gott der Lebenden und des Lebens. Und unser österlicher Glaube vertraut darauf, dass der Gott des Lebens stärker ist als die Mächte, die Zerstörung suchen. Stärker als Lebensumstände, die Menschen in Abhängigkeit lassen, stärker auch als eine Pandemie, die uns Menschen Angst und Sorgen bereitet und wie eine mächtige Welle über uns hinwegzurollen scheint. Als christliche Gemeinde dürfen wir zu Ostern an die Rettungserfahrung des jüdischen Volkes anknüpfen. Dass Christus von den Toten auferstanden ist, wird zum Teil der göttlichen Heilsgeschichte, in die wir mit eingebunden sind. So können wir ermutigt und gestärkt neu aufbrechen. Miteinander und einander stützend suchen wir die Fülle des Lebens und halten die Sehnsucht danach wach.
Unsere Gewissheit, dass Gott sich dieser Welt zuwendet, stärkt uns einzutreten für die, die bedängt und bedroht sind und die in Angst leben.
Ostern – das bedeutet Befreiung und Leben für uns, denn dazu ist Jesus Christus auferstanden und dazu steht er immer wieder auf, für uns, mit uns, jeden Tag aufs Neue, nicht nur heute an diesem Ostertag. Amen.

https://www.youtube.com/watch?v=JPcFyk6CVfw

Lied: Auf, auf, mein Herz mit Freuden (eg 112)


Gebet

Jesus Christus, du Sohn Gottes, du hast uns in deiner Auferstehung gezeigt,
dass das Leben über den Tod siegt und das Licht über die Finsternis.
Dafür danken wir dir.
Wir bitten dich für uns, dass wir dir vertrauen auf unseren Wegen,
gerade auch in unsren Ängsten und Nöten und in den Finsternissen unseres Lebens.
Sei an unserer Seite in dieser so endlos scheinenden Zeit der Pandemie,
die uns so viele Freiheiten nimmt.
Führe uns aus der Dunkelheit ins Licht und in die Freiheit.

Wir bitten dich für die Kranken, die Leidenden und die Sterbenden,
für alle, die in ungerechten Verhältnissen leben müssen,
für die Opfer von Kriegen, von Unterdrückung und Gewalt.
Wir denken besonders an die Menschen in Belarus und in Myanmar.
Führe du sie aus der Dunkelheit ins Licht und in die Freiheit.

Wir bitten dich für die, die um einen Menschen trauern,
den sie geliebt haben, mit dem sie das Leben geteilt haben,
und mit dem sie sich auch nach seinem Tod immer noch verbunden fühlen.
Führe du sie aus der Dunkelheit ins Licht und in die Freiheit.

Wir bitte dich für uns und bringen vor dich unseren Glauben
und auch unsere Fragen:
Gib uns Gewissheit, dass du lebst und dass die Finsternis des Todes besiegt ist.
Stärke uns, dass wir für dich leben und für unsren himmlischen Vater,
der dich in der Kraft des Heiligen Geistes aus der Dunkelheit ins Licht geführt hat.

Wir beten, so wie Jesus es uns gelehrt hat:
Unser Vater im Himmel...

Segen
Gott sei neben uns in Licht und in Finsternis.
Gott sei in uns bei Tag und bei Nacht.
Gott sei bei uns im Leben und im Sterben – jetzt und immer.
So segne und behüte dich der allmächtige und gnädige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Ich wünsche Ihnen/ Euch allen von Herzen ein frohes und gesegnetes Osterfest
Ihre/ Eure Pfarrerin Dagmar Kunellis

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