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Leseandacht

Lesegottesdienst 11. April 2021 – 1. Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti)

Der Sonntag trägt den Namen “Quasimodogeniti” (auf Deutsch: „Wie die neugeborenen Kinder“). Dieser Name (1. Petrus 2,2) erinnert an die Osternacht als  althergebrachten Tauftermin. Die Getauften sollten sich fühlen wie die Neugeborene, nachdem Jesus durch seine Auferstehung den Tod überwunden hatte.

G. Fr. Händel: Ich weiß, dass mein Erlöser lebet (Messias)
https://www.youtube.com/watch?v=7lbHVQAtBuQ


Verse aus Psalm 116
Dank für Rettung aus Todesgefahr

Das ist mir lieb, dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.
Denn er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten
mich getroffen; ich kam in Jammer und Not.
Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach, HERR, errette mich!
Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.
Der HERR behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir.
Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.
Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen,
meinen Fuß vom Gleiten.
Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen. …
Ich will den Kelch des Heils erheben und des HERRN Namen anrufen
Amen.

Evangelium des Sonntags: Johannes 20, 19-20. 24-29
19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!
20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.
24 Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen,
als Jesus kam.
25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite,
kann ich's nicht glauben.
26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie
und spricht: Friede sei mit euch!
27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!


Lied: Ostern, Ostern Frühlingswehen - Posaunenchor
https://www.youtube.com/watch?v=QpItkUwlB0U

Predigttext: Johannes 21, 1-14
1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. 4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. 7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. 8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. 9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. 10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. 12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. 13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch den Fisch. 14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Liebe Schwestern und Brüder,
In früheren Zeiten, als die Leute sich noch öfters als heute Briefe geschrieben haben, konnte dem Schreiber schon mal Folgendes passieren. Der Brief war fertig geschrieben, der Gruß formuliert und der Name bereits unter das Schreiben gesetzt, da fiel dem Schreiber plötzlich noch etwas ganz Wichtiges ein. Und weil das nicht bis zum nächsten Brief warten konnte, wurde unter den Brief noch ein P.S. gesetzt, ein sogenanntes Postskriptum.
Der heutige Predigttext ist ein solches Postskriptum, denn eigentlich schließt das Johannes-Evangelium mit Kapitel 20 ab. Doch irgendwann später hat ein Redaktor hier noch ein weiteres Kapitel angefügt, in dem wir Berichte darüber finden, wie Jesus nach seiner Auferstehung den Freunden erschienen ist. Es sind Auferstehungserzählungen, die in unseren Ohren vertraut klingen, die aber auch noch einige neue Aussagen in sich tragen.
Für uns sind diese Nachträge hilfreich, denn die Berichte, die wir in den Evangelien von der Auferstehung lesen, sind ja recht knapp gehalten. Da hören wir von einem  leeren Grab und von den zutiefst erschrockenen Frauen und Jüngern, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Dabei verlangt das Ostergeschehen geradezu danach, dass hier doch ein wenig mehr erzählt und auch erklärt wird, damit wir es uns ein bisschen besser vorstellen können, wie es damals den Freunden Jesu ergangen ist mit der Auferstehung Jesu. Das angehängte Kapitel erzählt genau solche Geschichten aus dem Umfeld der Freunde Jesu.
Wir treffen die Jünger wieder in ihrem Alltag an. Die aufwühlenden Ereignisse von Jerusalem liegen hinter ihnen, nun sind sie zurückgekehrt in die galiläische Heimat, an den See Genezareth oder auch See von Tiberias, wie der See hier genannt wird. Immerhin: Sieben der Jünger sind zusammengeblieben, sie haben sich nicht in alle Winde zerstreut, so wie es nach der Kreuzigung zunächst ausgesehen hatte.
Aber die Stimmung ist nüchtern, nichts mehr scheint geblieben von der Begeisterung, mit der sie einst Jesus auf seinem Weg gefolgt waren. Die Männer, denen Jesus einst aufgetragen hatte, die Fischernetze liegen zu lassen, um stattdessen zu Menschenfischern zu werden, sind nun wieder bei ihrem alten Beruf gelandet.
Und wieder einmal ist es Petrus, der Tatkräftige und Ungeduldige, der die Initiative ergreift. „Ich gehe fischen“, sagt er, und vielleicht sind die anderen fast ein wenig erleichtert, dass da einer die Sache in die Hand nimmt und aktiv wird. So fahren sie gemeinsam hinaus auf den See, und selbst, wenn wir die Geschichte nicht kennen würden, dann ahnten wir doch schon, was passiert: Die Netze bleiben leer.
Auch über dieser Geschichte liegt, so wie bei den anderen nachösterlichen Berichten, zunächst noch der Schatten des Todes. Trauer, Furcht und Zweifel bestimmen die Gemütslage, so ist es auch im heutigen Evangelium.
Die Jünger mögen erfahrene Fischer sein, aber ihre Mühen bringen nichts, noch ist es Nacht und der Tod wirft lange Schatten auf ihr Gemüt, so dass sie Jesus gar nicht erkennen, als er auf einmal am Ufer steht.
Das ist die gute Botschaft des heutigen Sonntags: Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
Jesus muss sich ihnen erst zu erkennen geben. Er macht dass, indem er seinen Freunden ihre eigene Bedürftigkeit vor Augen stellt. Nein, sie haben nichts zu Essen, denn die Arbeit der Nacht war vergeblich. Aber nun macht Jesus ihnen Mut, es doch noch einmal zu versuchen und die Netze auszuwerfen. „Ihr werdet finden!“ sagt Jesus. Wonach sie von sich aus vergeblich gesucht haben, sollen sie nun mit seiner Hilfe finden. Jesus schenkt ihnen ein Zeichen, das Netz, das sie auswerfen, ist so voll mit Fischen und so schwer, dass sie es nicht ins Boot schaffen können. Und sofort werden die alten Erinnerungen wach an jenen anderen Fischzug, wenige Jahre vorher. So finden die Jünger zum Erkennen und Glauben: „Es ist der Herr.“ Einer sagt es dem anderen weiter.
Und dann lädt Jesus ein: „Kommt und haltet das Mahl!“ Wieder kommen die Erinnerungen, an die Mahlgemeinschaften, die Jesus mit so vielen anderen Menschen hatte und natürlich an das letzte Abendmahl in der Nacht, in der er verraten wurde. So erwartet Jesus seine Freunde am gedeckten Tisch: Ein Feuer brennt, das Brot liegt bereit und auch der gebratene Fisch. Die bange Nacht ist endlich zu Ende.
Als sie dann alle zu Tisch sitzen, fragt keiner: „Wer bist du?“ Nicht, weil diese Frage etwas verboten oder nicht angemessen wäre, sondern weil keiner mehr zu fragen braucht. An diesem Morgen schmecken und sehen sie, wie freundlich der Herr ist.
Liebe Gemeinde, diese nachösterliche Geschichte zeigt, wie es auch uns als Gemeinde nach Ostern gehen kann: In unserem Alltag will Jesus sich uns zeigen, aber oft erkennen wir ihn nicht. Er begegnet uns in vielfältiger Weise, er selbst sorgt dafür, dass seine Geschichte weitergeht.
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Jede Nacht, sogar die Nacht des Todes kann sich wandeln. Denn seit Ostern ist nun nicht mehr nur Leben, das im Tod endet, sondern durch den Tod hindurch wächst neues Leben, weil Jesus auferstanden ist. Mögen wir selbst manches Mal mit leeren Händen dastehen, weil manches, was wir anfangen, vergeblich und mühsam ist. Doch mit Ostern beginnt auch für uns eine neue Geschichte der Hoffnung, die Jesus selbst für uns in Gang setzen will. Mit dem neuen Morgen steht er am Ufer, um uns einzuladen und mit uns zu gehen. Amen.


Lied: Der schöne Ostertag (eg 117)
https://www.youtube.com/watch?v=FAg3qoy1CAQ


Gebet

Gott, mit unseren Mühen und unserem oft vergeblichen Tun kommen wir zu dir. Bei dir legen wir ab, was uns das Leben schwer macht. Sieh auf unsere Sorgen und Nöte. Wir bitten dich: Entzünde neu das Feuer deiner Liebe und deiner Hoffnung, an allen Orten und in allen Herzen, die gerade kalt und verdunkelt sind. Wir bitten dich um Brot für die Welt. Und um Frieden bitten wir dich. Lass sie auferstehen: österliche Freude hier unter uns und in deiner weiten Welt. Amen.

Wir beten das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:
Unser Vater im Himmel...


Segen
Es segne und behüte dich der allmächtige und gnädige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Ich wünsche Ihnen/ Euch allen von Herzen einen gesegneten Sonntag
Ihre/ Eure Pfarrerin Dagmar Kunellis
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Nachrichten aus der Gemeinde


Auch nach Ostern finden vorläufig keine Präsenz-Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen im Lutherhaus statt.
Wir informieren unsere Gruppen, sobald wir wieder mit unseren Treffen starten.

Bitte informieren Sie sich auch über unsere Aushänge oder über unsere Internet-Seite: www.ebs-lutherhaus.de

Sie können auch gerne die Pfarrer ansprechen:
Pfarrer Michael Brzylski: 0151 74467011, michael.brzylski@ekir.de
Pfarrerin Dagmar Kunellis: 64620505, dagmar-kunellis@t-online.de

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