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Leseandacht

Lesegottesdienst 14. Februar 2021 - Sonntag vor der Passionszeit (Estomihi)

 Lassen Sie uns vor dem Gottesdienst kurz zur Ruhe kommen. Wir denken an alles, was uns die Woche nicht zur Ruhe kommen ließ und uns aufwühlte. Genau diese Gedanken begleiten wir nun zur Haustüre und verabschieden sie. Wir sagen Ihnen: „Ihr könnt gerne später nochmal zum Kaffee vorbeikommen, aber jetzt habe ich keine Zeit für Euch!“ und schließen die Tür hinter ihnen zu.

STILLE

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen!

Wochenspruch
Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch den Propheten von dem Menschensohn. (Lukas 18,31)

Ubi caritas et amor,
ubi caritas, Deus ibi est.
[Wo die Liebe wohnt und Güte,
Wo die Liebe wohnt, da ist unser Gott]
(EG 587)

Eingangspsalm
HERR, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden,
errette mich durch deine Gerechtigkeit!
Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!
Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!
Denn du bist mein Fels und meine Burg,
und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.
Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir heimlich stellten,
denn du bist meine Stärke.
In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.
Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst,
und kennst die Not meiner Seele, und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes;
du stellst meine Füße auf weiten Raum.
Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde,
und von denen, die mich verfolgen.
Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht; hilf mir durch deine Güte!
(Ps 31,2-6.8-9.16-17)

https://www.youtube.com/watch?v=E49-Mox84S8 (Text im Video enthalten)

Meine Zeit steht in deinen Händen

Liebe Schwestern und Brüder,
heute feiern wir den letzten Sonntag vor der Passionszeit Estomihi. An diesem Sonntag soll das Leiden und die Nachfolge Jesu im Zentrum stehen. Von Leid und Nachfolge handelt auch die Lesung des Evangeliums. Gerne können Sie den Text im Markusevangelium 8,31-38 nachlesen. Heute möchte ich den Blick auf die Nachfolge Jesu blicken. Jesus nachfolgen heißt: Sich ganz auf ihn ausrichten. Nachfolge Jesu ist letztendlich: Das Leben auf Gott ausrichten. Aber wie können wir das praktisch tun? Der heutige Predigttext mag uns darauf einen Hinweis geben. Er steht im Buch des Propheten Jesaja 58, 1-9a:

Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei. »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?«
Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?
Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

Nun, zunächst ist doch anzumerken: Augenscheinlich erzählt der Text von frommen Menschen. Diese sagen nicht: „Gott ist uns egal, interessiert uns nicht!“ Nein! Sie suchen Gott. Sie fasten. Sie ritzen und kasteien sich selber. Und durch diese religiösen Rituale erwarten sie Wohlstand von Gott - und bekommen ihn nicht.
Das Volk von dem wir hier lesen, sind die jüdischen Heimkehrer aus dem babylonischen Exil. Diese versuchen sich durch Fasten auf Gott auszurichten.

Fasten: Es gibt zwei Arten zu Fasten. Eine äußere und eine innere. Die äußere Art zu Fasten ist unserer modernen Gesellschaft doch sehr geläufig. Seit etwa einem Jahr sind die meisten Menschen der Welt dazu angehalten zu fasten - ungewollt. Wir fasten Geselligkeit. Wir fasten leider Präsenzgottesdienste. Wie schön wäre es, wenn wir jeden Sonntag wieder zusammenkommen könnten. Und wie schön wäre es mal wieder im Café mit Freunden zu sitzen. Oder einfach mal ohne Maske rumzulaufen. Das ist Zwangsfasten. Von außen aufgedrückt, wohlgemerkt für einen guten Zweck - für unsere und des Nächsten Gesundheit. Leider gibt es noch zu viele Menschen, die diesen Sinn und Zweck nicht erfasst haben und so gerade den Schwachen unserer Gesellschaft schaden.
Die Reformatoren wehrten sich sehr gegen jede von außen aufgedrückte Glaubenspraxis. So auch gegen das Fasten. Leider haben wir Protestanten daher den Ruf, dass Fasten keinen Wert für uns hat. Dem ist aber nicht so. Luther wandte sich nur gegen ein sinnentleertes Fasten. Wenn man also um des Fastens willen fastet und nicht mehr den ursprünglichen Sinn vor Augen hat - das ist ein leeres Fasten, das Gott nicht gefällt.
Ursprünglich galt das Fasten nämlich einmal als Ausdruck dafür, dass man seine falschen Wege bereut und sich neu orientieren möchte. Es gilt zu erkennen, wie weit man im Leben eigentlich von Gott entfernt ist.
Darum mahnt Gott direkt zu Anfang des Predigttextes: Sag meinem Volk, dass sie Abtrünnige sind und halte ihnen ihre Sünden vor!
So ist auch die christliche Fastenzeit, die durch Karneval (lat. carne levare = Fleisch weglassen) eingeläutet wird und ab Aschermittwoch beginnt, eine Zeit, in der man sich seiner Fehler und seiner falschen Wegen bewusst werden soll. Wo habe ich Schuld in meinem Leben? Entspricht mein Leben dem Sinn meines Schöpfers? Frage ich überhaupt noch nach dem Sinn in meinem Leben? Was tut mir Leid und wo habe ich mich von Gott entfernt? All diese Fragen haben besonders in der Fastenzeit ihren Platz.
Nun gibt es in unserer Gesellschaft aber seit einigen Jahrzehnten wieder den Trend zu fasten. Was ist da los? Sind wir alle wieder fromm geworden? Da gibt es das Heilfasten, Entschlackungskuren, Basenfasten, Diäten u.v.m.
Die Motivationen sind meistens: Gesünder leben, abnehmen wollen, wohlfühlen usw. Doch ein Ziel haben alle Methoden gemeinsam: Das „Ich“ steht an erster Stelle. Ich mache Heilfasten, weil ICH gesünder leben möchte. Ich mache die Diät, weil ICH mehr abnehmen möchte. Ich meditiere, weil ICH mich besser fühlen möchte. Ich, Ich, Ich und wieder Ich.
Sinnentleerte Rituale und das Ich, das an erster Stelle steht: Das bemängelte nicht nur Luther und mit ihm eine ganze Reihe namhafter Theologen, sondern schon die Schreiber der Bibel, die Propheten. Und so bemerkt der Prophet Jesaja: Das ist der Punkt warum es euch nicht besser geht, ihr geht sinnentleerten Ritualen nach, ihr ritzt und kasteit euch selber. Das alles tut ihr nur für euch selbst. Für eure Frömmigkeit, damit andere sagen: Oh, sieh einmal - ist er nicht fromm!
Gegen diese Art von Frömmigkeit wird Jesus später harte Worte in seiner Pharisäerrede finden (Mt 23).
Das Volk feiert Karneval (Fleisch weglassen) und macht sich selber zum Narren durch Kasteiung usw., aber den Sinn des Fastens kennt es nicht. Aber was braucht ein richtiges Fasten?
Es braucht mehr Valentin! Haben Sie daran gedacht? Heute ist nicht nur Karneval und Estomihi, sondern auch Valentinstag. Ich dachte immer, dieser Tag wäre eine Erfindung des anglo-amerikanischen Kapitalismus um Rosen und Schokolade zu verkaufen - stimmt nicht. Es gibt im Übrigen noch Länder, die es kapitalistisch auf die Spitze treiben: So schenken in Südkorea Frauen am Valentinstag den Männern Schokolade. Die wiederum antworten am 14. März (Whiteday) mit Geschenken. Und am 14. April (Blackday) gehen alle, die leer ausgingen (Singles), deren Geschenke nicht erwidert wurden, in eine Noodlebar und essen besondere Nudeln mit einer schwarzen Soße.
Der Valentinstag geht ursprünglich zurück auf einen Märtyrer im 3. Jh., der trotz Christenverfolgung Gottesdienste hielt und sich um seine Glaubensgeschwister sorgte. Kurz vor seiner Hinrichtung heilte er die blinde Tochter eines Aufsehers und schrieb ihr einen Abschiedsbrief, den er mit Dein Valentin unterschrieb.
Für den Nächsten da sein, die Liebe in den Mittelpunkt stellen: Das ist ein Fasten, das Gott gefällt. Fasten soll ein Opfer sein, das dem Nächsten zu Gute kommt. So wie es Valentin tat. So wie er es Jesus nachmachte und ihm damit nachfolgte.
Religion für sich selbst macht wenig Sinn. „Ich brauche keine Kirche, um zu glauben“ ist eine Aussage, die ich oft höre. Aber gerade diese Aussage zeigt, wie sinnentleert, ICH-bezogen unsere Gesellschaft geworden ist. Glauben heißt aber, Kirche für andere zu sein.
Nachfolge Jesu bedeutet, das sinnentleerte ICH hinter sich lassen und sich denen zuwenden, die meine Hilfe benötigen. Das ist ein Verzicht, der Gott gefällt. Sicherlich ist der Verzicht auf Dinge, die einen daran hindern, für andere da zu sein, dafür unerlässlich. Lassen Sie uns doch die nächsten sieben Wochen nach den Armen und den am Rande der Gesellschaft Stehenden ausstrecken und so in die Nachfolge Jesu treten.  Dann werden wir, in der Hilfe am Nächsten, Gottes Stimme hören: Hier bin ich! Hier bin ich! Ja, hier bin ich!
Ich wünsche Ihnen allen die Freude des Karnevals, die Liebe des Valentins und die Kraft, um sich auf Gott auszurichten. Amen!

Ich bete an die Macht der Liebe (EG 661 2+3)
https://www.youtube.com/watch?v=J4a9SwXJ_fc

Gebet
HERR, unser Gott,
du hast Glauben, Hoffnung und Liebe in uns entzündet:
Belebe in uns diese Gaben,
dass wir wachsam bleiben und tun, was du von uns erwartest.
Durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in alle Ewigkeit.

Wir bringen dir in der Stille alles, was uns belastet und schmerzt:

STILLE

Unser Vater im Himmel…

Segen
Der HERR segne dich und behüte dich,
er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden!
Amen!

Ich wünsche Ihnen allen einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die Woche!
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Basteln sie zu Valentinstag doch eine Rose für Ihre Liebsten. Eine Anleitung dazu finden sie hier:  https://www.youtube.com/watch?v=McsMNeH4OAM

Nachrichten aus der Gemeinde
Zurzeit zeichnet sich eine Verlängerung des Lockdowns ab, deshalb bleibt das Lutherhaus weiterhin geschlossen, es finden keine Gottesdienste und keine Gemeindeveranstaltungen statt.
 Sobald sich die Situation ändert, werden wir Sie so schnell wie möglich informieren.
Auch der Weltgebetstag (05.03.2021) kann nicht wie üblich stattfinden, es wird ein Alternativprogramm vorbereitet. Aktuelle Informationen finden Sie auf den Aushängen am Lutherhaus und auch auf unserer Internet-Seite: www.ebs-lutherhaus.de

Gerne stehen wir für Seelsorge, Gespräche und Informationen bereit:

Pfarrer Michael Brzylski: Telefon 0151 74467011, michael.brzylski@ekir.de
Pfarrerin Dagmar Kunellis: Telefon 0201 64620505, dagmar-kunellis@t-online.de

 

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