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Leseandacht

 

Lesegottesdienst zu Weihnachten, 24.12.2020

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr in der Stadt Davids. Lukas 2, 10b-11

Felix Mendelssohn Bartholdy – Vom Himmel hoch (Eingangschor)
https://www.youtube.com/watch?v=_xyZ9o7Z8Dk

1. Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär;
der guten Mär bring ich so viel, davon ich singn und sagen will.

2. Euch ist ein Kindlein heut geborn von einer Jungfrau auserkorn,
ein Kindelein so zart und fein, das soll eu’r Freud und Wonne sein.

3. Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führn aus aller Not,
er will eu’r Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein.

4. Er bringt euch alle Seligkeit, die Gott, der Vater hat bereit‘,
dass ihr mit uns im Himmelreich sollt leben nun und ewiglich.

5. So merket euch das Zeichen recht: die Krippe, Windelein so schlecht,
da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt.


Psalm 126
1 Ein Wallfahrtslied. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.
2 Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der HERR hat Großes an ihnen getan!
3 Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.
4 HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland.
5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.
6 Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas 2
1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. 4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, 5 auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6 Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. 8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9 Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. 10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. 15 Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.


Liebe Brüder und Schwestern!
Keinen Raum hatten sie in der Herberge, die beiden, Maria und Josef, die wegen der Anweisungen des römischen Kaisers in Bethlehem gestrandet waren. Keinen Raum gab es, nur einen Futtertrog und vielleicht ein paar saubere Tücher für das neugeborene Kind.
Kein Raum – auf Griechisch übersetzt heißt das U topos. Davon leitet sich das Wort Utopie ab. Weihnachten ist tatsächlich das Fest einer Utopie. Einer schafft sich Raum, für den es nach menschlichem Ermessen eigentlich gar keinen Raum gibt. Und so wird die Utopie in Bethlehem Wirklichkeit.
Utopie – das Wort hat für mich einen positiven Klang; sie verleitet mich zur Hoffnung auf etwas, was mir erstrebenswert erscheint und von dem ich für mich und mein Leben Erfüllung erwarte, etwas, das kommt, aber noch nicht da ist. Aber ich kann schon einmal davon träumen. Lange vor Jesu Geburt hat der Prophet Jesaja das Bild eines messianischen Friedensreiches gemalt, eine Utopie und Traumvision, die von uns Christen aufgegriffen und mit der Geburt Jesu in Zusammenhang gebracht wurde. (Jesaja 11, 1-10)

1 Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. 2 Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. 3 Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören, 4 sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. 5 Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften. 6 Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten. 7 Kuh und Bärin werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. 8 Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein kleines Kind wird seine Hand
ausstrecken zur Höhle der Natter. 9 Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt. 10 Und es wird geschehen zu der Zeit, dass die Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden die Völker fragen, und die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein.

Die Zeiten, in denen Jesaja zum Volk Israel sprach, waren sicher nicht besser als die heutigen. Am Horizont zogen die Wolken eines großen Krieges auf. Doch der Prophet träumt in dieser bedrohlichen Situation vom Frieden, und seine Visionen weisen in eine neue andere Zukunft. Die Bilder, die Jesaja hier malt, sind keine Weissagungen über die irdischen Verhältnisse, die kommen werden, sie verweisen vielmehr auf die Endzeit, und so muss man diesen Text auch verstehen. Im Rückblick wissen wir: Es hat in Israel nie einen König gegeben, auf den die Beschreibungen des Jesaja auch nur ansatzweise zutrafen. Kein Königskind aus dem Hause Davids hat tatsächlich das verheißene Friedensreich aufgerichtet. Und auch mit der Gotteserkenntnis war es meist nicht besonders weit her.
Aus unserer christlichen Sicht sieht es ganz ähnlich aus. Gerne beziehen wir die Friedensvision des Jesaja auf Jesus und sagen, dass er derjenige ist, der diese Verheißungen erfüllt. Aber das Kind von Bethlehem hat nie einen Königsthron bestiegen und ist auch nie zu einem Friedensherrscher geworden. Wir kennen sein Schicksal, wir wissen, dass Jesus später am Kreuz sterben musste, weil es auch für ihn als erwachsenen Mann keinen Raum in der Herberge gab. Frieden auf Erden? Darauf warten wir immer noch, auch in diesem Jahr ist es zu Weihnachten an viel zu vielen Orten dieser Welt nicht friedlich.
Aber durch Jesus, das jüdische Kind aus der Krippe von Bethlehem, haben wir für alle Zeiten zusammen mit dem Volk Israel Anteil an diesem wunderbaren Ausblick auf die neue Welt Gottes, den uns Jesaja hier gibt. Zu Weihnachten wird in uns die Hoffnung neu gestärkt, dass die Kluft zwischen Himmel und Erde, zwischen dem, was wir im Leben erfahren und oft auch erleiden müssen und dem, was wir erhoffen, durch Gott selbst überbrückt wird. In der Nacht der Geburt Christi kommt unsere Sehnsucht nach Frieden zu einem Ziel, nicht endgültig natürlich, aber wir sehen schon den Abglanz des Kommenden.
Und unsere Hoffnung zeigt dabei auch, wie sich die Wertmaßstäbe verschieben. Wir hoffen nicht auf einen großen mächtigen Herrscher, der mit starker Hand alles zurecht bringt, sondern wir hoffen auf ein winziges neugeborenes Kind. Für dieses Kind gibt es keinen Raum in der Herberge, aber es schafft sich Raum, in uns und in unseren Herzen.
Natürlich wissen wir, dass sich zu Weihnachten nicht alles plötzlich ändert und wieder gut wird. Die Pandemie wird uns noch viele Monate lang auch im neuen Jahr weiter beschäftigen, die Kriegsschauplätze bleiben und auch unser Weltklima ist sehr bedroht. Aber Weihnachten rüttelt in uns einmal wieder die Sehnsucht wach nach dem, was uns die Bibel als Gottes Reich vor Augen stellt. Die Verheißungsbilder des Jesaja sind Bilder, mit denen wir gut weiterleben können, denn sie machen uns stark und helfen uns in den dunklen Stunden unseres Lebens. Sie begleiten uns hin zur Krippe von Bethlehem und von Bethlehem wieder zurück in unseren Alltag.
Was wir mit den Augen des Jesaja sehen können ist:
- Das Licht, das uns in den Finsternissen dieser Welt leuchtet,
- das Kind, das uns geboren ist und dessen Friedensherrschaft kein Ende haben soll,
- der Reis aus der Wurzel Isais, ganz und gar durchdrungen vom Geiste Gottes,
- das paradiesische Reich, in dem Wölfe bei den Lämmern und Panther bei den Böcken
  lagern, und kleine Kinder die Kälber zusammen mit jungen Löwen hüten.
Ja, das alles sind Visionen und Träume, aber es sind gute Träume, aus denen wir gestärkt und mit neuen Kräften wieder erwachen und ans Werk gehen können.
Denn es ist Gott selbst, der in Bethlehem einen neuen Anfang macht. Und an diesen Anfang dürfen wir unsere Hoffnungen und Utopien festmachen. Dieser Anfang ist Jesus, das Kind in der Krippe, das bei seiner Geburt keinen Raum in der Herberge hatte. Doch nun ist es da und schafft sich Raum, bei uns und in unseren Herzen. Deshalb: Fürchtet euch nicht!.
Amen.


Es ist ein Ros entsprungen
https://www.youtube.com/watch?v=u0bCqjlcgM4






Fürbittengebet
Du Mensch gewordener Gott, du bist ein kleines Kind geworden.
So bitten wir dich um Liebe für die Kinder dieser Welt,
dass sie in Frieden groß werden.
Maria und Josef suchten nach einer Herberge.
So bitten wir dich für alle Geflüchteten und für alle Menschen ohne Obdach,
dass sie beschützt und bewahrt werden.
Maria und Josef waren bei Jesu Geburt auf sich allein gestellt.
So bitten wir dich für alle, die besonders in diesem Jahr sehr einsam sind,
dass ihnen das Fest nicht zur Qual, sondern dennoch zur Freude wird.
Hirten sind von ihrer nächtlichen Arbeit aufgebrochen und haben dich gesucht.
So bitten wir dich für alle, die in diesen Tagen arbeiten, vor allen Dingen für die Menschen, die in den Krankenhäusern und Pflegeheimen ihren Dienst tun,
dass sie Dank für ihre Arbeit erfahren und weihnachtliche Freude.
Die Engel haben vom Frieden auf Erden gesungen.
So bitten wir dich für diese friedlose Welt, das Friede wird in Nazareth, Bethlehem, Jerusalem, dass überall auf Erden Friede wird.
Die Hirten haben von deiner Geburt berichtet.
So bitten wir dich für die Kirchen in aller Welt, dass sie dich mutig bekennen und
in Verfolgung bewahrt werden.
Du Mensch gewordener Gott, wir danken dir und bitten dich für uns.
In der Stille vertrauen wir dir an, was uns auf dem Herzen liegt
(In der Stille können die eigenen Gebetsanliegen vor Gott gebracht werden.)
Lass deine Liebe auch in uns wachsen und segne uns an diesem Weihnachtsfest.

Unser Vater im Himmel…

Segen:
Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt.
Gott segne und behüte uns,
Gottes Licht wärme uns,
Jesus Christus sei das Licht auf unsere Wegen,
Gottes Heiliger Geist mache unser Leben hell.
So segne uns der allmächtige und gnädige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

O du fröhliche
https://www.youtube.com/watch?v=WYYWD2KdeAE


Ich wünsche Ihnen allen von ganzem Herzen ein frohes, friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest!
Bleiben Sie behütet!
Dagmar Kunellis

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