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Lesegottesdienst

Lesegottesdienst 13. Juni 2021 – 2. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Matthäus 11,28

Lied: Morgenlicht leuchtet, eg 455
https://www.youtube.com/watch?v=Sa_oyO4PPKo

1. Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang.
    Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt.
    Dank für die Lieder, Dank für den Morgen,
    Dank für das Wort, dem beides entspringt.

2. Sanft fallen Tropfen, sonnendurchleuchtet.
    So lag auf erstem Gras erster Tau.
    Dank für die Spuren Gottes im Garten,
    grünende Frische, vollkommnes Blau.

3. Mein ist die Sonne, mein ist der Morgen,
    Glanz, der zu mir aus Eden aufbricht!
    Dank überschwänglich, Dank Gott am Morgen!
    Wiedererschaffen grüßt uns sein Licht.

Verse aus Psalm 36
HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
     Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
     und dein Recht wie die große Tiefe.
     HERR, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten
deiner Flügel Zuflucht haben!
     Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
     und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Lesung aus dem AT: Jesaja 55, 1-5 – Einladung zum Gnadenbund Gottes
1 Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! 2 Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. 3 Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben. 4 Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen bestellt, zum Fürsten für sie und zum Gebieter. 5 Siehe, du wirst Völker rufen, die du nicht kennst, und Völker, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat.


Felix Mendelssohn Bartholdy; Wirf dein Anliegen auf den Herrn
https://www.youtube.com/watch?v=csbNWDS1Zh0

Predigttext:
1. Korintherbrief 14, 1-12
1 Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet! 2 Denn wer in Zungen redet, der redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht ihn: im Geist redet er Geheimnisse. 3 Wer aber prophetisch redet, der redet zu Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung. 4 Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde. 5 Ich möchte, dass ihr alle in Zungen reden könnt; aber noch viel mehr, dass ihr prophetisch redet. Denn wer prophetisch redet, ist größer als der, der in Zungen redet; es sei denn, er legt es auch aus, auf dass die Gemeinde erbaut werde. 6 Nun aber, Brüder und Schwestern, wenn ich zu euch käme und redete in Zungen, was würde ich euch nützen, wenn ich nicht mit euch redete in Worten der Offenbarung oder der Erkenntnis oder der Prophetie oder der Lehre? 7 So verhält es sich auch mit leblosen Instrumenten, es sei eine Flöte oder eine Harfe: Wenn sie nicht unterschiedliche Töne von sich geben, wie kann man erkennen, was auf der Flöte oder auf der Harfe gespielt wird? 8 Und wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zur Schlacht rüsten? 9 So auch ihr: Wenn ihr in Zungen redet und nicht mit deutlichen Worten, wie kann man wissen, was gemeint ist? Ihr werdet in den Wind reden. 10 Es gibt vielerlei Sprachen in der Welt, und nichts ist ohne Sprache. 11 Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich ein Fremder sein für den, der redet, und der redet, wird für mich ein Fremder sein. 12 So auch ihr: Da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr sie im Überfluss habt und so die Gemeinde erbaut. 13 Wer also in Zungen redet, der bete, dass er's auch auslegen könne. 14 Denn wenn ich in Zungen bete, so betet mein Geist; aber mein Verstand bleibt ohne Frucht.

Liebe Schwestern und Brüder!
Ich stehe im Hauptbahnhof von Essen und warte auf meinen Zug. Der hat Verspätung, 25 Minuten zeigt die Tafel an. Außerdem steht da: „Achtung Gleiswechsel, bitte beachten Sie die Durchsage!“ Dann kommt die Durchsage, es knistert und knackt im Lautsprecher. Ein paar Wortfetzen kann ich so gerade noch verstehen: „ICE… Basel Badischer Bahnhof, heute aus Gleis…“ dann höre ich wieder nur Knacken und Knarzen. Auch die folgende Ansage auf Englisch hilft mir nicht weiter. Ein älterer Herr spricht mich an in holprigem Deutsch: „Bitte, was hat er gesagt? Mein Deutsch ist nicht gut!“ „Mein Deutsch auch nicht,“ würde ich am liebsten antworten. Denn auch ich habe nur Bahnhof verstanden.
Manchmal verstehen wir nur Bahnhof, und das nicht nur, wenn wir mit dem Zug unterwegs sind. Das passiert auch unseren Konfirmanden, wenn sie im Gottesdienst sitzen, auch sie verstehen oft nur Bahnhof. Bei manchem Arztbericht, den ich bekomme, wünsche ich mir auch jemanden, der mir das so übersetzt, dass ich nicht nur Bahnhof verstehe…
Der Apostel Paulus schildert uns in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth eine besondere Situation, in der viele Gemeindeglieder nur Bahnhof verstehen. Es gibt dort eine Gruppe von Menschen, die, bewegt durch die Kraft des Heiligen Geistes, eine besondere Sprache sprechen, sie reden in Zungen. Unverständlich ist das, was sie sagen, manchmal hört es sich laut und wirr an für die anderen.
Mit diesen Leuten muss Paulus hier ein ernstes Wort reden. Die Zungenrede, oder Glossolalie, ist für ihn eine unverständliche Weise, mit Gott zu reden, im gewissen Sinne ist sie ein Gebet zu Gott. Es ist ein Phänomen, das uns in unseren Gemeinden weitgehend unbekannt ist, aber es gibt auch heute noch viele Pfingstgemeinden, in denen das Zungenreden praktiziert wird. Genau da setzt Paulus mit seiner Mahnung an. Er wertet das Zungenreden dabei nicht ab, aber er weist darauf hin, dass diese Gabe nicht dazu dient, die Gemeinde aufzuerbauen. „Denkt daran“, so sagt er sinngemäß, „dass eure Zungenrede nur euer persönliches Reden mit Gott ist. Die anderen haben nichts davon, wenn ihnen nicht jemand erklärt, was ihr da sagt. Es ist okay, dass ihr diese Gabe habt und auch nutzt, aber viel besser wäre es, wenn ihr so reden würdet, dass euch die anderen verstehen und so auch etwas davon haben.“
Wir reden in unserer Gemeinde nicht mit Zungen, aber trotzdem ist es so, dass Menschen, die von außen in unsere Gottesdienste kommen, oft nur Bahnhof verstehen. Wir haben in unserer Kirche eine ganz eigene Sprache mit Begrifflichkeiten, die im Alltag eher nicht auftauchen. Wenn wir es nicht schaffen, sie für die Zuhörenden verständlich und greifbar zu machen, dann bleiben sie Schall und Rauch. Gnade, Sakrament, Erlösung, Schuld, Vergebung, Buße, Ewigkeit – solche Worte sind für viele Menschen längst zu Fremdwörtern geworden. Sie trennen die, die die kirchliche Binnensprache beherrschen von denen, die nur Bahnhof verstehen.

„Strebt nach der Liebe!“ Mit diesen Worten beginnt Paulus diesen Abschnitt seines Briefes. Die Liebe zum Nächsten steht sozusagen als Überschrift und als Handlungsanleitung über seinen Ausführungen. Und es ist kein Zufall, dass im Kapitel zuvor das wunderbare Hohelied der Liebe steht, in dem Paulus die Liebe als die größte und wichtigste aller Geistesgaben beschreibt (siehe 1. Kor. 13, 1-13).
Es ist die Liebe, die uns antreibt und dazu bewegt, auf den Anderen zuzugehen, die Nähe zu suchen und wieder auf Augenhöhe zu kommen. Erst wenn ich der Anderen wirklich nahekomme, das Leben mit ihr teile, ihre Sprache spreche, ihren Träumen nachspüre und ihre Sorgen verstehe, ist Verständigung und Verständnis möglich.
Das ist eine schwere Aufgabe. Wer anderen die Tränen abwischt, macht sich die Finger nass, und wer Lasten mitträgt, wird selber müde. Aber je näher wir dem Anderen kommen, umso weniger Worte sind oft nötig. Manchmal reicht schon ein teilnehmender und liebevoller Blick, eine freundliche Geste. Sie richten auf, so dass unser Gegenüber wieder aufrecht gehen kann.

Unsere Aufgabe ist es, darauf zu achten, was wir sagen und wie wir es sagen. Und alles soll angeleitet und angetrieben sein von der Liebe, denn sonst sind alle unsere Worte nur ein tönendes Erz und eine klingende Schelle (1. Kor. 13,1), viel Lärm und Gerede, ohne dass der andere versteht, was wir sagen wollen.
„Bemüht euch um die Gaben des Geistes“, schreibt Paulus „und bemüht euch, dass ihr diese Gaben im Überfluss habt. Und dann nutzt sie, um die Gemeinde zu erbauen.“ Nur wenn wir gemeinsam hören und auch verstehen, wird es der Gemeinde auch nützen. Und dann versteht niemand mehr nur Bahnhof. Amen.

Lied: Gott hat das erste Wort, eg 199

https://www.youtube.com/watch?v=7EKGYDAF7kw

Gebet
Gott, du bist da mit deinem Wort. Die ganze Welt erfüllst du mit deiner Wahrheit und deiner Gerechtigkeit. Wir sind alle von dir umgeben.
Trotzdem passiert es immer wieder, dass wir ungerecht sind, andern und auch uns selbst gegenüber. Wir schweigen, wo wir auf Unrecht aufmerksam machen sollten. Wir schauen weg, wo wir eigentlich besser aufeinander achten sollten.
Wir reden, obwohl es wichtiger wäre zuzuhören. Aber du, Gott, lässt dich davon nicht beirren. Mitten in dieser Welt, mitten in unserem Leben bist du da. Du sprichst uns an. Du rufst uns zu dir. Du zeigst uns Wege, die wir gehen, Entscheidungen, die wir treffen können. Höre nicht auf, uns zu rufen. Hilf uns, zu hören und zu verstehen, was du uns sagst, und hilf uns, dass wir das so weitersagen können, dass andere uns verstehen.
Wir beten das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:
Unser Vater im Himmel...

Segen
Gott segne dich und behüte dich.
Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Er erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen.

Ich wünsche Ihnen/ Euch allen von Herzen einen gesegneten Sonntag
Ihre/ Eure Pfarrerin Dagmar Kunellis
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Nachrichten aus der Gemeinde


Ab Sonntag, den 13.06. feiern wir endlich wieder unsere Gottesdienste im Lutherhaus! Dazu laden wir herzlich ein!
Zurzeit gelten für Gottesdienste in geschlossenen Räumen noch die Coronaregeln mit Maskenpflicht (OP-Maske reicht!), Abstand und Anwesenheitslisten. Bitte achten Sie auch im Außenbereich auf den nötigen Abstand. Das gemeinschaftliche Singen ist leider auch noch nicht erlaubt, wir hoffen aber, dass sich daran bald etwas ändert.

Dies ist dann auch unser letzter Lesegottesdienst, den Sie erhalten.
Wir freuen uns, dass unsere Lesegottesdienste in den letzten Monaten guten Anklang gefunden haben und danken für alle Ihre Rückmeldungen. Wir freuen uns, Sie jetzt endlich wieder im Gottesdienst treffen zu können.

Im Moment ist sehr Vieles in Bewegung. Wir sind zuversichtlich, dass wir auch unsere anderen Aktivitäten und Gruppen bald wieder starten können. Wir bemühen uns, Ihnen so schnell wie möglich Bescheid zu geben, wenn es wieder losgeht. Unsere Gruppen werden wir anschreiben und sie über alle wichtigen Regeln  informieren. 
Wenn Sie Fragen haben, können Sie sich auch gerne an die Pfarrer wenden:
Pfarrer Michael Brzylski, Telefon 0151 7446 7011, michael.brzylski@ekir.de
Pfarrerin Dagmar Kunellis, Telefon 64620505, dagmar-kunellis@t-online.de

Informieren können Sie sich auch weiterhin über die Aushänge und unsere Internet-Seite:
www.ebs-lutherhaus.de

Bleiben Sie behütet!!!

Wir sehen uns im Lutherhaus!
Ihr Pfarrerteam Michael Brzylski, Dagmar Kunellis, Lothar Lachner, Thorben Golly

 

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